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Muss politisches Theater ästhetisch sein?

8. Februar 2013

Wow. Die US-Serie „House of Cards“, eine von netflix produzierte Neuverfilmung einer BBC-Produktion aus den 80ern, die auch ich seinerzeit sehr genossen habe, kann was. Die kann richtig was (mehr dazu bei Frank über Kartenhäuser). Spektakuläre Inhalte, wirklich tolle Schauspieler, ansprechende Bilder … Sehr ästhetische Inszenierung. Sehr gut „gemacht“.

Und da dachte ich dann an die politischen Protagonisten hierzulande. Und deren aktuelle Inszenierung. Ob das eher holprige Bemühen des Kandidaten Steinbrück um Volksnähe hier, ob der schlechte Verkauf der Niedersachsenwahl, die Schavanplagiat-Farce, die FDP-Sexismus und -Rassimusabwehr-Bewegung da (von dem wöchentlichen Piraten-GZSZ in Popcornpiraten gar nicht zu schreiben) … Mir gut in Erinnerung geblieben auch vor ein paar Wochen Martin Lindner bei #Jauch, als hochnäsiger Immobilienmakler-Lobbyist, das sah aus wie von Moliere geschrieben.

Ich ertapp mich also dabei, den Politzirkus zunehmend wie eine große Show zu konsumieren. Anzufangen ästhetische Reize „geiler“ zu finden, als die eher wenig antagonistischen Positionen der Großparteien. Gutes „Spiel“ zu loben (Steffi Lemke in der Berliner Runde), schlechtes auszubuhen (Dobrindt a.a.O. und sonst auch). Ich hab „Popcorn!“ gerufen, als es in Niedersachsen Spitz auf Kopf stand (und mir innerlich die Hände gerieben, wie vor nem schönen Film). Überdies drücken sich mir Nahles, Roth, das PDS-Oktett, Gröhe, Ponader und Lauer, Rösler und Niebel oft schon bei der ersten Anmutung so aufs Gemüt, dass ich sie entweder wegzapp/-klick oder in innerliches Buhrufen verfalle ob der Art ihres Vortrags. Und irgendwie find ich den Steinbrück auch wegen seiner spitzen Zunge „cool“ und war ein wenig enttäuscht, wie schlecht er die Vorwürfe pariert hat. Selbst seine „Entschuldigung“ an die Partei klang wenig überzeugend.

Weil da also in letzter Zeit viel politisches „gut“, „schlecht“, „blöd“, „gefällt mir“ zusammen kam, hab ich eben mal „politische Ästhetik“ gegoogelt (irgendwie getriggert von diesem angemessenen Form-/Inhalts-Verhältnis, das eine Sache ästhetisch rund machen sollte).

Und hab Leni Riefenstahl gefunden, dann sofort an all die „schönen“ Guttenbergs, Wulffs, „Wowis“ und sonstigen Heissluftballons (und ihre Präsentation in Bild und Bunte usw.) gedacht.

Urks.

Also werd ich mal lieber konzentriert das „Was“ vom „Wie“ trennen bei Politics, auch wenn’s schwer fällt. Dass und wie das geht, zeigen Menschen wie der großartige @pausanias, der z.B. wie hier) für seine Überzeugungen mit Säbel und Florett streitet, und immer wieder Mut macht durch das Posten von gehaltvollen Sachen anderer, wie z.B. hier).

Wünschen würd ich mir (frei nach Horaz) das c): „Aut prodesse volunt aut delectare politicae aut simul et iucunda et idonea dicere vitae“ (die Politiker wollen entweder a) nützen oder b) unterhalten oder c) zugleich Erfreuliches und für das Leben Nützliches sagen).

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From → Dit und Dat

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