Erste Replique auf Brief von Pausanias vom 10. Juli 2011
Werter Freund,
Eben lese ich Ihren lieben Brief, der mir das Vergnügen unserer heutigen Zusammenkunft warm hält und mich als Ausdruck von Ihrem wahr gemachten Vorhaben aufs herzlichste erfreut. Gerne möchte ich Ihrem Vorschlag folgen und danke Ihnen aufs Innigste für die Möglichkeit, nun Gedanken zu manchem, was uns wechselseitig seit einiger Zeit unausgesprochen umtreibt, abwechselnd zur Feder zu bringen.
Die Zeit seit unserer vormaligen Korrespondenz währte auch mir zunehmend überlang; wiewohl es mir gar nicht an Umgang mit allerlei Feingesinnten und hierbei auch manch delektierlichem Gespräch fehlte, allein: es blieb ein dumpfes Gefühl der Leere an der einen oder anderen Stelle, so dass ich mir manches Mal unausgesprochen den nöthigsten Ausstausch mit Ihnen wünschte.
So hat es mir – obgleich wir am heutigen Nachmittage einen Strauß anderer Dinge anzusprechen hatten, die eher dem aktuellen Geschehen in unser beider Gedankenaustausch Rechnung zollten – das Herz aufgetan, als ich von Eurem frommen Ansinnen las, sich den Wesensheiten öffentlich ausgetragenen Diskurses noch inniger zuzuwenden, und mich in dieser Causa hinzuzubitten und um Rath zu fragen.
An Ihrer Exposition habe ich mich recht gelabt.
Es kommodiert sehr gut mit meiner grundsätzlichen Haltung zu solcherlei Fragen, daß Sie die Art des öffentlichen Diskurses einer Sache von den Spezifika eines Themas abzugrenzen beginnen – wobei – als ich nachdachte über die Tragweite dessen, was sich in diesem einen Sätzleyn ausdrücken mag, wurde mir bang.
Schien es mir auf den ersten Blicke frivol und selbstverständlich, dass die Art und Weise eines Themas in enger Weise mit dem spezifischen Umgang verwandt sei und frug ich mich kurz, in welche Richtung ich hier noch allgemein gültiges weiter zu schärfen suchen sollte.
Doch verzeiht, lieber Freund, es mag des Abends müdem Schauer geschuldet gewesen seyn, dass ich, was zwischen Euren Zeilen geschrieben stand, nicht sofort in gänzlichem Umfange zu ermessen imstande war.
Darüber sinnierend kam es mir relativ rasch vor Augen, daß Ihr in Euren Ausführungen einen sehr wichtigen Faktor nicht klar benannt haben möget, weil er Euch unausgesprochen viel deutlicher war als mir: Ich meyne – Ihr ahnt es – die beiden entscheiden Rollen im diskursiven Austausch, nämlich Kommunikator und Rezipient. Diese bestimmen ex ante doch wesentlich den Grad der Ausprägung jedweden Diskursthemas, und so auch jener Themen, die Ihr mir so beispielhaft kategorisch vor Augen führet.
“Was sind die spezifischen Faktoren, dass ein Thema in einer der genannten Formen behandelt werde?” fragt Ihr … ich bin gewiss, daß wir hier das Feld eigentlichen Inhalts zunächst außer Betracht lassen sollten und unser Augenmerk dem zuwenden, was Kontroverse (zwischen Kommunikatoren und Rezipienten) zu aller erst auslöst im Innersten: denn ist Relevanz (für beide) oder auch Komplexität, die sich im Laufe eines Diskurses erst aufbauen mag … oder einen Diskurs gleich früh im Keime erstickt, wenn Rezipient oder Kommunikator sich im Fortgang einander nichtmehr folgen mögen, nicht zunächst und vor allem abhängig von jenen, die sich dem Diskurs ergeben?
Machen wir uns also gemeinsam auf, mein Freund, dem Prinzip der Diskursformen ein Stück auf die Spur zu kommen, beginnen wir doch zunächst vielleicht mit einigen einleitenden Überlegungen zu den sie auslösenden Protagonisten, die sich, analog zur vorzüglichen Einteilung, die Sie vorgeschlagen haben, gleichfalls werden idealtypisch skizzieren lassen.
Für heute aber muss ich es bei dieser – sehr flüchtig hingeworfenen und im Grunde Ihrer Einlassung unziemlichen – Idee belassen. Und für heute enden.
Ich schließe euch an meine Seele, Verwandter im Geiste, empfehle mich den vorzüglichen Knaben und der Frau Gemahlin aufs Allerherzlichste.
Auf Bald, der Eure
Wasalski
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