Warum ich den E-Postbrief nutzen werde
Ich bekenne. Ich bin ein Postler. Und ich kenne viele sehr gut, die sich über 2 Jahre mit dem Projekt beschäftigt haben. Ich selbst war nur rudimentär beteiligt, aber ich darf sagen: da ist GROSSES geleistet worden.
Damit bin ich definitiv befangen. Wer das doof findet, klicke bitte weiter …
So. Jetzt mal unter uns: Ich habe wirklich gute Gründe, den E-Postbrief zu nutzen. Bei erstem Nachdenken fallen mir folgende ein.
1. Weil epost.de einfach die beste Adresse für elektronische Kommunikation war … und wieder werden wird
Was hab ich gelitten als @epost.de 1 den Bach runter gegangen ist. Hab das ganze Drama persönlich erlebt, damals, am Ende von “E-Hype 1″. Mein Account wurde mit allen anderen an Lycos verkauft und nach einiger Zeit in @lycos.de gewandelt. Wie die Geschichte weiterging, ist bekannt.
Ich hatte eine Primäradresse (ohne Ziffer nach dem Nachnamen) und trug sie mit Stolz. Denn wie bitte lässt sich elektronische Kommunikation besser in Worte fassen als mit epost? Das ist prägnant. Eindeutig. Cool. Souverän. Seriös. Einzig. Was bin ich froh, dass Post die Domäne behalten hat. Sie schlummerte 6 Jahre und ist wieder da, *puh*
2. Weil mich 55ct/E-Brief nicht schrecken – im Gegenteil!
Ich zahl die gerne (und genau, wie alle Nicht-Postler). Bei GMX hab ich nen Premium-Account, der mich ca. 3 EUR im Monat kostet. Den hab ich, weil ich die Zusatzservices nutzen will. Bei E-Postbrief ist es genau so. Kann also etwa 5 E-Briefe schreiben im Monat für den Betrag. Und den geb ich gerne für ein nettes GUI (echt nett, Ihr werdet es sehen, leicht verspielt und mit nem richtigen Post “Aha-Erlebnis”) und die Add-Ons.
Wobei ich eigentlich gar nicht annehme, dass ich 5 E-Briefe schreiben werde im Monat. Denn meine E-Post Korrespondenz wird strictly serious sein. Kundenservices, Ämter, Versicherungen, pi pa po werd ich anschreiben, wenn ich muss.
Heute würde ich dafür: Einen Text ausdrucken (wobei mein Drucker kaputt ist), einen Umschlag kaufen (die sind irgendwo verstreut), eine Marke besorgen (und Postler kaufen die wie jede(r) andere), den Brief eintüten, die Adresse auf den Umschlag schreiben (und zwar von Hand, weil der Drucker …), die Marke draufkleben, den Brief einstecken, bewusst dran denken, ihn einzuwerfen (meist im Büro, das ist der Vorteil der Post). Via E-Post lad ich das doc hoch und such die Adresse raus … *bam*. Besser gehts nicht.
Und E-Mail weiter verwenden werd ich trotzdem. Twitter auch. Aber die physische Briefeschreiberei? Hmmm …
3. Weil ich empfangen will
Und zwar seriöses Zeugs. Keine Umschläge mehr ins Altpapier (naja, meistens). Keine Wasalski-Schublade (im Flurschränkchen, dritte Lade von unten), in die alles reingedengelt wird, was nicht Werbung ist (sorry, liebe Infopostkollegen). Und die einmal im Jahr “wegsortiert” werden will. Und dann Ordner füllt, in die ich eigentlich nur reingucke, wenn die neue Ladung abgeheftet wird. Eins kann IT: Gute Ablage- und Archivsystematiken. Und die will ich nutzen. So höret, Ihr Firmen, Ämter, Rechnungssteller: Schreibt mir E-Briefe, die ich wegklicken und archivieren kann.
4. Weil ich gehört werden will
Hatte ein cooles IKEA-Erlebnis diese Wochen (jaja, im Rahmen des #relaunchwohnumfeld2010). Hatte viel bestellt und musste eine Matratze wieder abholen lassen. Viermal hab ich per Mail und einmal per Telefon und einmal per Fax erinnert und Details kommuniziert. Obwohl alles in Mail 1 stand.
Dabei hab ich gelernt, dass der IKEA Kundenservice 3 verschiedene Mail-Accounts hat. Die alle nicht GMX-Einschreiben können. Zugegeben: als ich durch war, mit meinem Anliegen, lief alles sehr glatt. Aber beim E-Postbrief hab ich nen bestätigten Empfänger auf der anderen Seite. Heisst: a) es gibt ihn und b) wenn ich es anklicke, MUSS er die Annahme bestätigen, bevor er den Brief liest. Wenn das nicht verbindlich wird … ich hoffe, es wird.
5. Weil ich meinem Arbeitgeber (ver)traue
Wer, wenn nicht die Post, muss die härtesten Datenschutz und Securityvorschriften bei der Kommunikation beachten? Naja, Banken vielleicht (obwohl das Finanzamt da wohl bald mehr Zugriff hat). Ich weiss, wovon ich spreche, denn ich seh das von innen. EIN öffentlich gemachter Sec oder Datenschutzfehler, und die Kiste ist aus. Daher ist man doppelt und dreifach vorsichtig – auch wegen des gesetzlich verbrieften Briefgeheimnisses. Und IT-Grundschutz/BSI. Und Datenschutz. Und Telemediengesetz, und, und, und, und. Das alles mag bürokratisch, formalistisch, und (wie die Stiftung Warentest heute zum E-Postbrief meinte) manchmal kompliziert sein. Aber meine Gehaltsabrechnung (so ich sie irgendwann mal elektronisch bekomme) ist bei Postens in guten Händen.
Nee, stimmt. Ich bin ja befangen.
Dennoch. Probiert’s. Einfach. Mal. Aus. Als Empfänger kostet’s nix … und wie gesagt; Die GUI hat ein so gar nicht von der Post erwartetes “Aha”-Erlebnis.
Die Ansicht hat einen netten Haken: Wie will man mit einem Gegenüber brieflos über den E-Postbrief kommunizieren, der selber Mail oder Post anbietet, aber keinen E-Postbrief nutzt?
Da stellt sich wieder die Frage, warum Unternehmen das machen sollten. Der E-Postbrief ist nicht rechtsverbindlicher, als eine normale E-Mail. Ganz egal, was die Post mit ihrer Werbung suggerieren möchte.
Es gibt genau zwei Vorteile: Unter Umständen spart man Kosten, sofern man den Hybridbrief nutzt. Bei Privatpersonen läppern sich die Kosten in der Regel nicht so sehr, dass sich das lohnen würde; Kommuniziert der Partner über Mail, benötigt man den Brief ohnehin nicht.
Und es geht schneller als normale Post. Auch dieser Vorteil ist obsolet, wenn mein Kommunikationspartner die Kommunikation über Mail anbietet.
Die Verifikation des Kommunikationspartners ist dagegen in den seltensten Fällen ein Argument, da ich ohnehin normalerweise mit der Mailadresse kommuniziere, die mir mein Kommunikationspartner übermittelt hat. Bei Unternehmen kann ich davon ausgehen, dass die Mailadresse auf der Homepage passt, etwaige Schreibfehler können auch bei der Übermittlung der E-Postbrief-Adresse auftreten.
Abgesehen davon kann man sich auch bei der Kommunikation mit Ämtern die Briefeschreiberei nicht sparen. Ich bin gespannt, wann sie ihren ersten Widerspruch mittels des E-Postbriefs an ein x-beliebiges Amt übermitteln und nach mehreren Wochen erstaunt feststellen, dass dummerweise bei Widersprüchen ein Formerfordernis (Schriftform) besteht, das der E-Postbrief nicht gewährleistet (auch nicht als Hybridbrief, weil dafür die eigenhändige Unterschrift notwendig ist); Abgesehen davon wird ein Amt wohl auch nicht über E-Postbrief kommunizieren, sondern auf die DE-Mail warten, so dass die Kommunikation mitnichten papierlos erfolgt. Entweder bekommt man weiterhin Briefe von den Ämtern oder – bei ganz fortschrittlichen Ämtern – kann man einzelne Sachen auch per Mail erledigen, ganz sicher aber nicht online per E-Postbrief.
Alles in allem hängt der Erfolg des E-Postbriefs von einer Frage ab: Wer nutzt ihn als alleiniges verbindliches Kommunikationsmittel?
Und da sehe ich ehrlich gesagt schwarz für die Post. Behörden werden auf DE-Mail warten, weil das ein staatseigenes Produkt ist, zu welchem vermutlich gesonderte gesetzliche Spezifikationen auch in Bezug auf die Rechtswirksamkeit folgen werden. Unternehmen werden den E-Postbrief – wenn überhaupt – als Zusatz zur normalen Mailkommunikation verwenden. Und der Großteil der Bürger wird nicht einsehen, warum er für E-Mail – die ihm wirklich keinerlei Vorteile bietet – 55 Cent bezahlen sollte oder was er davon hat, dass er 3 Euro im Jahr spart, weil er keine Briefumschläge mehr kaufen muss.
Bevor das Gesetz zur DE-Mail draußen ist und der E-Postbrief mit der DE-Mail verschmolzen ist, ist dieser Dienst also nutzlos. Wie es danach aussieht hängt davon ab, wie die gesetzlichen Anforderungen aussehen und welche Hürden sie für Beweiskraft und Zugang aufbauen.
Allerdings glaube ich, dass man kein Prophet sein muss um zu erkennen: Dieses Produkt wird sich ebensowenig wie die DE-Mail so entwickeln, wie die Verantwortlichen es gerne hätten. Man kann also schon vorhersehen, dass es in der vorgesehenen Form ein Flop wird.
Ich gehe sogar noch weiter: Früher oder später wird es Konkurrenten geben, die einen kostenlosen DE-Account anbieten werden bzw. die nur Kosten für die Registrierung und Überprüfung der Identität weitergeben werden, wenn gesetzlich nicht zwangsweise Kosten vorgeschrieben werden. Spätestens ein solches Geschäftsmodell – gegenfinanziert entweder mit Werbung im Mailaccount oder Adresshandel – wird der deutschen Post bei der traditionell preisempfindlichen deutschen Bevölkerung das Genick brechen.
Viel Spaß mit dem Produkt. Ich würde keinen Cent darauf setzen, dass es 5 Jahre überlebt.
Guten Mutes meldete ich mich zum E-Post Brief an, weil viele Vorteile auf der Hand liegen.
Dachte ich bis ich stolz das Produkt anwenden wollte.
Was ist passiert:
Inkonsistenzen in der Benutzeroberfläche
Brief ansehen und ihn ausdrucken sind verschiedene Dinge, da der Ausdruck auch auf verschiedenen Druckern nicht dem Bildschirm entspricht.
In einer bestimmten Ansicht entschwindet bei der Löschung des Anhanges auch der Briefinhalt.
Beim klassischen Brief konnte ich den Anhang nicht in der Druckvorschau sehen.
Adressbücher lassen sich nicht importieren, soll ich das etwa abtippen?
Die Onlinehilfe ist umständlich und zeitraubend.
Die telefonische “Seelsorge” ist versteckt ….
Das Geld für die Werbung sollte also vorher noch in das Produkt fließen ehe ich bereit bin Geld dafür zu bezahlen!
Heute habe ich dem Service mitgeteilt, das man mich informieren darf, wenn das Produkt fertig ist, ich benutze das definitiv nicht mehr bis dahin.
Hi Buratino,
Ich halte die Anmerkungen und Hinweise für absolut berechtigte Verbesserungsvorschläge. Gib die dem E-Postbrief-Service in jedem Fall weiter, das wird alles dankend angenommen.
VG
Wasalski